Interieurs von Adold Loos und Heinrich Kulka
(c) Pilsen Touristik
Studienreise zu jüdischen Spuren in Pilsen, Krumau & Neupölla,
Freitag, 8. bis Sonntag, 10. Mai 2026
– Anforderung des Anmeldeformulars per Email unter freunde@jmw.at –
Pilsen präsentiert sich heute als prosperierendes Wirtschafts- und Universitätszentrum zwischen Prag und Nürnberg mit rund 180.000 Einwohnern. Die viertgrößte Stadt Tschechiens ist bekannt für die 1869 gegründete Pilsner-Aktienbrauerei sowie für die 1925 gegründeten Skoda-Werke.
Jüdische Geschichte in Pilsen
Die ersten Juden sind 1338 in Pilsen nachweisbar, als König Přemysl Otakar II. ihnen Religionsfreiheit gewährte und in Pilsen ein jüdisches Viertel samt Synagoge entsteht. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts handelten die meisten Juden mit Gewürzen, Pfeffer und Ingwer, und zu dieser Zeit gab es bereits zwei Synagogen. 1504 wurden die Juden aus Pilsen vertrieben und siedelten sich darauf im Umland an. Wenige kehrten zwar 1584 zurück. Doch von einem gleichberechtigten Leben konnte noch lange keine Rede sein. Erst 1790 konnten sich Juden wieder offiziell in Pilsen niederlassen. Die Situation besserte sich schrittweise 1848/49 mit der Auflösung des Ghettos und der Abschaffung von Sondersteuern.
Die große Wende zum Besseren brachte 1867 die Verabschiedung des Staatsgrundgesetzes, das politische und religiöse Gleichberechtigung festschrieb sowie die Bewegungsfreiheit und den Eigentumserwerb ermöglichte. Parallel zur allgemeinen Stadtentwicklung blühte die jüdische Gemeinde von Pilsen im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Nach 1918 umfasste die jüdische Gemeinde rund 3.000 Mitglieder.
Während der Besetzung durch das nationalsozialistische Deutschland wurde fast die gesamte jüdische Gemeinde vertrieben und Großteils in den Vernichtungslagern ermordet. Heute existiert in Pilsen wieder eine kleine jüdische Gemeinde mit rund 300 Mitgliedern. In ganz Tschechien leben aktuell rund 3.900 Juden.
Synagogen
Besondere Zeugnisse der jüdischen Geschichte Pilsens liefern die Alte Synagoge und die Große Synagoge, die zu den größten jüdischen Gotteshäusern weltweit zählt. Genauso bemerkenswerte sind verschiedene Wohndenkmäler, die der Architekt Adolf Loos und sein jüdischer Büroleiter Heinrich Kulka für eine überwiegend jüdische Klientel in Pilsen realisierte.
Semler-Rezidenz
Hervorgehoben werden sollte die Wohnung des jüdischen Nadelfabrikanten Oskar Semler: Kulka baute in ein bestehendes Mietshaus eine 500 Quadratmeter große Residenz ein. Er durchbrach die existierenden Geschossebenen, um den Weg in die Wohnung, die Halle, die Bibliothek und die Kaminnische auf verschiedenen Ebenen zu einer transparenten Raumskulptur zu vereinen – was kurz „Raumplan“ genannt wird. Das bis dato wenig bekannte Meisterstück wird wohl eines Tages in einem Atemzug mit viel bekannteren Ikonen der Moderne genannt werden, wie die Villa Tugendhat von Mies van der Rohe in Brünn, die Villa Schminke von Hans Scharoun in Löbau (bei Bautzen) oder die Villa Savoye von Le Corbusier in Poissy.
Geplanter Reiseverlauf (Stand 23.02.2026)
Freitag, 8. Mai 2026
Wir starten um 8:00 Uhr von Wien-Schwedenplatz mit unserem bequemen Reisebus. Unsere erste Zwischenstation ist in Neupölla bei Zwettl im Waldviertel das Museum für Alltagsgeschichte. Hier ist eine Führung zur jüdischen Geschichte des Waldviertels und eine Caféjause organisiert. Auf der weiteren Fahrt nach Pilsen machen wir für eine kurze Mittagsjause in Budweis einen Zwischenstopp. Bis um ca. 17:00 Uhr erreichen wir in Pilsen unser Hotel Continental im Stadtzentrum. Zeit für einen ersten individuellen Rundgang. Fakultatives gemeinsames Abendessen ist organisiert.
Samstag, 9. Mai 2026
Nach dem Frühstück starten wir zu einem geführten Stadtrundgang zu den Hauptsehenswürdigkeiten von Pilsen, besichtigen verschiedenen Loos-Wohnungen, darunter die Semler-Residenz. Auch eine Brauerei- und Kellerbesichtigung steht auf dem Programm. Fakultatives gemeinsames Abendessen ist organisiert.
Sonntag, 10. Mai
Am Vormittag besichtigen wir die Alte Synagoge und die Große Synagoge in Pilsen. Auf dem Rückweg nach Wien machen wir einen Zwischenstopp in Krumau, wo wir die Synagoge, das Atelierhaus von Egon Schiele sowie das Stadtzentrum besichtigen. Nach einer kulinarischen Stärkung starten wir Richtung Wien-Schwedenplatz, den wir um ca. 19:00 Uhr erreichen.
Kosten
340 € / Person im Doppelzimmer – 390 € / Person im Einzelzimmer. Inkludiert sind 2 Übernachtungen mit Frühstück, Fahrt im bequemen Reisebus, alle Eintritte, alle Führungen, 1 Abendessen (ohne Getränke), deutschsprachige Reiseleitung.
Maximale Teilnehmerzahl: 26 Personen



